|
Meine Tiger sind mein Leben |
||||
|
Donnerstag, 18. Juli 2009 «Meine Tiger sind mein Leben»Mit dem Circus Carl Busch in Frankfurt: Carmen Zander ist Deutschlands einzige Tiger-Lehrerin
Sieht schmusig aus, ist aber ganz schön gefährlich: Carmen Zander Wange an Wange mit ihrer Königstigerin Aschanti. Foto: Bernd Kammerer Akrobatik, Clownerei, grosse und kleine Tiere bis 23. August heisst es auf dem Festplatz am Ratsweg «Manege frei» für den Circus Carl Busch. Gestern war Premiere im weiss-blauen Riesenzelt. Frankfurt. Modern und anspruchsvoll ist sie, die Show vom Circus Carl Busch. Das Premierenpublikum nach dem Finale total begeistert. Und nahezu einer Meinung: Die heisseste Nummer in der Manege ist Carmen Zander mit ihren Königstiger. Wir haben die Dompteurin am Morgen vor der Premiere besucht. Klein ist sie, ein zartes Persönchen, das mit schnellen Schritten durchs Tigergehege €“ Käfig- und Gepäckwagen, Aussenkäfig mit Zinkwanne, alten Autoreifen, dazu zwei Camper für die Dompteurin und ihren Helfer Lars marschiert. Carmen Zander weiss genau, was sie will: Tigerin Aschanti soll fürs Foto posieren, dafür muss die von ihren Geschwistern “ die Königstiger sind Fünflinge â“ getrennt werden. Die Dompteurin klopft mit einer Bambusstange ans Gitter, Aschanti bewegt sich. Und will, kaum ins Aussengatter geschlichen, in die Wanne hüpfen – Raubkatzen lieben kühle Bäder. «Nicht in die Wanne! Nein, Aschanti. Nein!», ruft Carmen Zander. Die Stimme laut, die Kommandos deutlich. Fast wie auf einem Kasernenhof. Bambusstab und Peitsche wirbeln durch die Luft. Zander; «Ich bin hier das Alphatier. Ich sage meinen Tigern, wo es lang geht.» . Alles andere wäre lebensgefährlich: Ein Prankenhieb eines Tigers, und ein Mensch kann tödlich verletzt werden. «Sobald sie mit den Krallen etwas zu packen bekommen, gilt es für sie als Beute», sagt die Dompteurin. Da hilft es auch nichts, dass Carmen Zander ihre Fünflinge mit der Flasche aufgezogen hat. «Für sie bin ich die Mama. Aber dadurch fehlt ihnen auch die Distanz zu mir. Als sie klein waren, haben sie sich immer auf mich gestürzt.» Die Tiger sind ihre Babys. Will ihnen jemand etwas Böses, fährt Carmen Zander selbst die Krallen aus: «Ich beschütze sie mit meinem Leben.» Carmen Zander stammt nicht aus einer Zirkusfamilie. über Umwege kam sie zum fahrenden Volk: Sie wuchs in Leipzig auf, war Leistungsturnerin – DDR-Drill, 15 Meistertitel, dann eine Verletzung und das Aus als Gymnastin. «Danach hatte ich zwei Möglichkeiten: Fernsehballett oder Artistenschule. Fürs Ballett war ich zu klein.» In Berlin wurde sie zur Artistin ausgebildet. Trapez, Jonglage, aber keine Raubtiere. «Bei einer Nummer durfte ich im Raubtierkäfig tanzen. Beim ersten Mal bekam ich vor Angst kaum Luft.» Doch dann wollte sie immer mehr: Dressieren lernt sie von der Pike auf, heute ist sie die einzige Frau in Deutschland, die ihren Raubkatzen die Kunststückchen selbst beibringt. «Oft macht das ein Altmeister, und in der Manege steht dann ein hübsches junges Ding,» 2006 kauft sie ihre Fünflinge Aschanti, Kiara, Face, Imani und Gandhi im Safaripark Stukenbrock, investiert einen «schönen Mittelklassewagen.» Inzwischen gehört sie zu den besten Dompteurinnen der Welt. «Ich finde überall ein Engagement, sagt sie. Die Kehrseite des Erfolgs: Das Leben beim Zirkus ist anstrengend, Freizeit kennt sie kaum, Urlaub gar nicht. Sie muss sich um ihre Tiger kümmern, 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag: «Käfige säubern, Tiger duschen, füttern, trainieren – das mache alles ich.» Der Tag beginnt um 9 und endet nicht vor 1 Uhr in der Nacht. Trotzdem: Einen schöneren Beruf als Dompteurin kann sie sich nicht vorstellen: «Weil ich meine Tiger streicheln darf.» apr |
||||