DominikFischer

Das Wilde im Auge des Tigers

Donnerstag, 20. August 2009

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Zirkus-Dompteur

Das Wilde im Auge des Tigers

Von Lisa Jaschke, 20.08.09 10:42h

Der junge Mann entstammt einer Zirkusfamilie. Trotzdem waren seine Eltern gar nicht begeistert, als er schon als Jugendlicher mit den gefährlichen Tieren in die Manege stieg.

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Dominic Fischer, 21 Jahre, liebt den Umgang mit den Tigern und er mag die ständige Abwechslung, die das Zirkusleben mit sich bringt. Der nach eigenen Angaben jüngste Dompteur Deutschlands wurde in Bonn geboren. Seit frühester Kindheit ist er immer unterwegs.

Ein Leben zwischen Ziegen und Pferden ist für viele Jugendliche vom Lande nichts Aussergewöhnliches. Aber eine Kindheit mit Krokodilen, Kängurus, Schlangen und wilden Raubkatzen ist schon etwas Besonderes. Ein typisches Zirkusleben ist für viele Heranreifende unvorstellbar. Für den 21-jährigen Dominic Fischer ist es ein Traum, der wahr geworden ist.

Dominic ist Deutschlands jüngster Raubtierdompteur und wurde in Bonn geboren. Seit seiner frühen Kindheit reist der Raubtierbändiger ständig durch ganz Deutschland. Im Winter ist der Zirkus Rene und Patrizia Althoff, dessen grösste Attraktion die Dominics Raubtiernummern sind, eher in grösseren Städten zu finden, im Frühjahr und Herbst tourt er aber auch durch kleinere Orte vor allem im Rheinland und auch im Rhein-Sieg-Kreis.

Kindheit auf Achse

€žIch bin in den Zirkus hineingeboren, meine gesamte Familie ist dabei, erzählt Dominic. Er könne sich ein normales, sesshaftes Jugendleben gar nicht vorstellen. €žJede Show ist anders. Jede Stadt und jeder Ort ist anders. Wir wissen nie, was uns erwartet. Ich liebe die Abwechslung in meinem Leben, sagt der 21-jährige. Der ständige Stress vor den Vorstellungen scheint Dominic nicht zu stören. Er liebe es, vor dem Publikum zu stehen, beteuert er. â€Die Atmosphäre in der Zirkusgemeinschaft und der Umgang mit den Tieren ist immer wieder etwas ganz Besonderes.

Wie lebt ein Jugendlicher im Zirkus? Wie schafft er einen Schulabschluss? €žIch hatte früher wie alle Kinder in unserem Zirkus einen Privatlehrer. Zwischen den Proben und Aufführungen haben wir ganz normal gelernt, es läuft eben nur spontaner und flexibler als in einer normalen Schule. Der Unterricht wird individuell angepasst, erzählt Dominic.

Während seiner Kindheit und Jugend habe er nie etwas vermisst, ganz im Gegenteil: €žIch kann hier viel mehr machen als andere Kinder und ich sehe viel mehr von der Welt! Dominic bemängelt, dass viele Kinder heute kaum noch Kontakt zu Tieren haben. Viele würden die Tiere nur noch im Fernsehen sehen. Ich bin froh, dass ich anders lebe. Ich liebe das Verhältnis zu meinen Tigern und den anderen Tieren.

Für den Nachwuchsdompteur kommt es nicht in Frage, den ganzen Tag irgendwo drin zu sitzen. €žIch bin sehr viel draussen. Natürlich sitzen wir abends auch mal vor dem Fernseher wie andere Leute auch, aber es hat für mich nicht so einen grossen Stellenwert. Vom Computer habe ich nicht viel Ahnung, da muss ich immer meinen Neffen um Hilfe bitten, erzählt er mit einem sympathischen Lächeln.

Stress gewöhnt

An den Stress beim An- und Abreisen habe er sich schon lange gewöhnt. Manchmal gebe es auch grosse Probleme, den Zirkus mit Strom und Wasser zu versorgen. €žDas ist natürlich nicht so wie in einer Wohnung, wo alles da ist. Wir müssen uns immer wieder von neuem darum kümmern.

Dominic kann sich zwar nicht jeden Abend mit Freunden treffen, aber das stört ihn nicht. Ich kenne viele Leute, mit denen ich regelmässig in Kontakt stehe. Ausserdem habe ich auch hier im Zirkus viele Freunde, sagt er. Die Zirkusgemeinschaft zählt bis zu 80 Leute, da werde es ihm nicht langweilig.

Mit 13 Jahren hat Dominic angefangen, mit den gefährlichen Raubkatzen zu proben. €žIch habe mir schon im Kindesalter viel von anderen Artisten abgeschaut und war sofort fasziniert von den Tigern. Ich habe meine Raubkatzen bereits selbst mit der Flasche aufgezogen, fügt er hinzu. Er liebt das Wilde, Unberechenbare in den Augen seiner Tiger. Angst, so beteuert er, habe er nie gehabt. Angst darf man auch nicht haben. Ich muss mir allerdings immer sicher sein, wie weit ich tatsächlich gehen kann.

Obwohl seine Eltern von seinem Vorhaben ganz und gar nicht begeistert waren, setzte er sich über ihren Widerstand hinweg und übte regelmässig mit den Raubkatzen. €žSie hatten einfach Angst, weil ich ihrer Meinung nach viel zu jung war. Die meisten Dompteure fangen erst mit 20 Jahren an. Die meisten Kunststücke, so sagt er, habe er sich selbst beigebracht. Er glaubt, dass wer mit diesen Tieren arbeiten möchte, für diese Aufgabe geboren sein muss. Wenn ich zweimal den Käfig sauber gemacht habe, ohne dass die Tiger mich angefallen haben, heisst das noch lange nicht, dass ich sie auch dressieren kann.

Keine Panik

Mit 14 Jahren hatte Dominic seinen ersten Auftritt mit den Tigern. Das Lampenfieber vor dem Auftritt sei nicht wegzudenken, erwähnt er mit einem Lächeln. Doch was passiert, wenn plötzlich etwas während einer Show schief geht und ein Tiger gefährlich wird? In solchen Momenten müsse er ganz ruhig bleiben. Ich darf keine Panik bekommen, denn das merken die Katzen sofort. Kratzer hat Dominic regelmässig, er wurde auch schon einige Male genäht, aber €žrichtig schlimm habe es ihn noch nicht getroffen. Sein grösster Wunsch ist es, weisse Tigerbabys zu bekommen und zu dressieren.

So sehr Dominic das Zirkusleben auch liebt, muss er sich eingestehen, dass der Zirkus es heutzutage sehr schwer hat. Das Problem ist, dass die Zuschauer immer nur das Grosse, Schöne und Spektakuläre sehen wollen. Alles muss aussergewöhnlicher werden und das können sich viele Zirkusse nicht mehr leisten, erzählt er mit betroffener Miene.

Oftmals wird die geringe Bezahlung der Artisten beklagt, doch für Dominik spielt das keine grosse Rolle: Geld ist für mich lediglich zum überleben wichtig. Ausserdem verdienen die guten Artisten gar nicht so schlecht. Ich finde, dass jeder Artist mit Herzblut und Leidenschaft dabei seinen sollte. Die Leute sehen, ob jemand das nur des Geldes wegen macht oder aus Liebe zur Sache. Wenn Dominic mit seinen Tigern in der Manege steht, ist jedenfalls klar: Das ist Herzblut und Leidenschaft!

Der Circus Rene und Patrizia Althoff, mit dem Dominic Fischer durch die Lande zieht, gastiert ab September wieder im Raum Bonn / Rhein-Sieg-Kreis.